SAV/ASPC/ASFC
 
 

Interdisziplinäre Tagung 2011:
Elemente - ΣTOIXEIA - ELEMENTA

Antike und moderne Naturwissenschaft zum Ursprung der Dinge

Der Tagungsband ist erschienen und kann für 20 Franken bei Lucius Hartmann bestellt werden.

Donnerstag, 17.3.2011
8.30-17.00 Uhr

Kantonsschule Hohe Promenade Zürich
Promenadengasse 11, 8001 Zürich
Aula (4. Stock, Treppenhaus C benutzen; der Weg ist beschildert)

Begegnungen schaffen!
Das ist das Ziel, welches sich der Schweizerische Altphilologenverband mit der Organisation dieser Tagung gesteckt hat. Begegnen sollen sich Vertreterinnen und Vertreter der Universitäten und der Schulen, begegnen sollen sich ebenfalls Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften.
Mit diesem Anliegen ist der SAV überall auf offene Ohren gestossen, so dass ein spannendes Programm zustande gekommen ist; namhafte Vertreterinnen der Universitäten werden über verschiedene Aspekte des Tagungsthemas referieren. Die Workshops werden Gelegenheit bieten, Einzelthemen vertieft zu ergründen und vor allem ins Gespräch zu kommen. Frau Professor Regula Kyburz-Graber wird zusammen mit Dr. Hugo Caviola über die Didaktik der Interdisziplinarität referieren und auch ihr neues Buch zum Thema Interdisziplinarität präsentieren.

  1. Programm
  2. Referate
  3. Workshops
  4. Materialien
  5. Bilder
  6. Bericht
  7. Flyer
  8. Detailinfos

1. Programm

8.30Eintreffen mit Kaffee
9.00Einführung durch Prof. Dr. Heidi Wunderli, Rektorin der ETH
9.30Prof. Dr. R. Kyburz-Graber, Universität Zürich
Einblicke in die Forschung zum fächerübergreifenden Unterricht
10.00Prof. Dr. L. Gemelli
Die Vier-Elemente-Lehre: Überlegungen über die Anfänge einer naturwissenschaftlichen Theorie
11.00Vortrag von Prof. Dr. D. Günther, ETH Zürich
Die Bedeutung von Spurenelementen für die Rekonstruktion der Vergangenheit und Gestaltung der Zukunft
12.15Mittagspause
14.00-15.30Workshops
15.30Kaffeepause
16.00Schlussvortrag:
Prof. Dr. B. Binggeli, Universität Basel
Quarks, Quasare, Quintessenz. Antike Reminiszenzen im Weltbild der modernen Physik und Kosmologie

2. Referate

Prof. Dr. R. Kyburz-Graber, Institut für Gymnasial- und Berufspädagogik (Universität Zürich): Einblicke in die Forschung zum fächerübergreifenden Unterricht

Forschung zum fächerübergreifenden Unterricht hat sich ursprünglich vor allem mit Fragen der bildungspolitischen Begründung und mit strukturellen Fragen zur Art und Weise der Kooperation zwischen Fächern befasst. Neuere Studien fragen vermehrt nach der inhaltlichen Konzeption, dem Wesen des fächerübergreifenden Wissens, dem wissenschaftspropädeutischen Potential und der Frage, wie sich fächerübergreifende Lernleistungen fördern und beurteilen lassen.
Im Referat wird diesen Fragen der "ways of knowing" nachgegangen, sowohl forschungsmethodologisch als auch illustriert an konkreten Unterrichtsbeispielen.

Prof. Dr. Laura Gemelli, Titularprofessorin für Klassische Philologie (Universität Zürich): Die Vier-Elemente-Lehre: Überlegungen über die Anfänge einer naturwissenschaftlichen Theorie

Die Vier-Elemente-Lehre ist heute nicht mehr aktuell, sie hat aber für lange Zeit die Bühne der westlichen Naturwissenschaft beherrscht. Empedokles ist der erste, der vier Elemente als Wurzeln der Welt angenommen hat. Im medizinischen Bereich haben einige Hippokratiker vier Säfte als Grundelemente des Körpers gesetzt. Im Vortrag werden Texte aus dem Gedicht "Über die Natur" des Empedokles und aus den hippokratischen Schriften behandelt, wobei der Schwerpunkt auf ihren verschiedenen kulturellen und pragmatischen Kontext und auf die Ziele und Methode der Verfasser gelegt wird. Von diesem komplexen Panorama ausgehend wird dann die Frage gestellt, inwieweit sich solche Texte durch moderne naturwissenschaftliche Begriffe interpretieren lassen, und was sie den heutigen Naturwissenschaftlern noch zu sagen haben.

Prof. Dr. Detlef Günther, Professor for Trace element and micro analysis (ETH Zürich): Die Bedeutung von Spurenelementen für die Rekonstruktion der Vergangenheit und Gestaltung der Zukunft

Elemente in sehr kleinen Konzentrationen oder Volumina werden heute nachgewiesen, um geologische Anreichungsprozesse oder klimatische Veränderungen zu verstehen oder zu rekonstruieren. Auch die Entwicklung neuer Materialien setzt voraus, dass man ihre Zusammensetzung sehr genau charakterisieren kann. Anhand von einigen Beispielen soll gezeigt werden, mit welchen Methoden man Spurenelemente in Klimaarchiven oder geologischen Proben quantitativ nachweisen kann und welche "Geschichten" uns diese Elemente erzählen.

Präsentation

Prof. Dr. Bruno Binggeli, Titularprofessor für Astronomie (Universität Basel): Quarks, Quasare, Quintessenz. Antike Reminiszenzen im Weltbild der modernen Physik und Kosmologie

Der spekulative Geist der Griechen lebt fort in der Naturwissenschaft, vornehmlich dort wo diese an die Grenzen empirischer Überprüfbarkeit stösst. Das gilt insbesondere für Elementarteilchenphysik und Astro-Kosmologie, die den Ursprung der Dinge im ganz Kleinen und ganz Grossen erforschen. Viele Schlüsselkonzepte und -befunde dieser modernen Disziplinen, wie Teilchensymmetrie, Vakuumenergie oder Raumzeithorizont, weisen erstaunlich (?) grosse Ähnlichkeiten mit gewissen Vorstellungen antiker Denker auf. Eine neue Wiedergeburt der Antike?

Referat

3. Workshops

Prof. Dr. Ulrich Eigler, Professor für Lateinische Philologie (Universität Zürich): Non deum sine numine? (Lucr. 2, 168) Lukrez und moderne Wissenschaft von der Natur

Dieser Workshop fällt wegen Erkrankung des Referenten leider aus! Die Teilnehmer/innen werden in die anderen Workshops umgeteilt.

Das Thema verbindet Philologie und moderne Physik. Meine Überlegungen nehmen daher ihren Ausgang von einem Brief, den Isaac Newton am 10.12.1692 an den berühmtesten Philologen seiner Zeit, Richard Bentley, geschrieben hat. Newton bemüht sich darin, die zu seiner Zeit sehr stark begrüsste Theorie des Lukrez, die Entstehung der Welt sei allein mit einer konsequent materialistischen und mechanistischen Argumentation zu begründen, als Fehlinterpretation späterer Lukrezleser zu erweisen. Newton vertritt dagegen eine dezidiert christliche Position, in deren Mittelpunkt Lukr. 2, 167-181 steht.
Mein Referat soll einerseits in die Auseinandersetzungen der englischen Frühaufklärung einführen, für die Lukrez nach der englischen Übersetzung durch Thomas Creech von grosser Bedeutung ist. Andererseits soll es einen vorsichtigen Bogen zu modernen Diskussionen schlagen.
Raum: 001

Bernhard Felder (Physik) und M. Müller (Latein): Ovids Weltbild in der Kosmogonie der Metamorphosen, seine Quellen und seine Wirkung bis zu Kepler und Brahe

Ovid schildert am Beginn der Metamorphosen die Entwicklung der Welt vom Chaos zu einem geordneten System, dem Kosmos. Er greift dabei auf griechisches Wissen zurück wie zum Beispiel die Kugelgestalt der Erde und die Sphären. Der Workshop beschäftigt sich mit Ovids Weltbild, seinen griechischen Quellen und der Wirkung bis zu Kepler und Brahe. Ein Physiklehrer und ein Lateinlehrer präsentieren Materialien und Konzepte, wie dieses spannende Thema im Unterricht behandelt werden könnte.
Raum: Aula

Präsentation, Materialien

Lucius Hartmann, Gräzist und Mathematiker: Platons Dialog "Timaios": Mathematik als Grundlage unserer Welt

In seinem Dialog "Timaios" verwendet Platon Erkenntnisse aus der von Pythagoras geprägten Mathematik seiner Zeit zur Erklärung unserer Welt. Im Workshop sollen zwei Kernstellen mit der "Sphärenharmonie" und den platonischen Körpern vorgestellt und diskutiert werden.
Raum: U44

Prof. Dr. Regula Kyburz-Graber / Dr. Hugo Caviola, Institut für Gymnasial- und Berufspädagogik (Universität Zürich): Didaktik der Interdisziplinarität

Wir stellen Modelle der Fächervernetzung und Lernziele vor, die im Rahmen eines Forschungsprojektes am Gymnasium Liestal entwickelt wurden. Weiter zeigt der Workshop an Beispielen aus dem Unterricht auf, mit welchen Methoden fächerübergreifende Lernleistungen gefördert und beurteilt werden können.
Raum: U07

Dr. Lucia Orelli / Dr. Amadeus Bärtsch: Im Hintergrund verschiedener Elementenlehren: "Discretum" vs. "Continuum" in der westlichen Naturwissenschaft

Die Korpuskeln, die Atome und das Leere bilden seit der klassichen Zeit der Griechen die Basis der "diskreten" Lektüre der Naturphänomene. Texte und Experimente von Demokrit bis Robert Boyle.
Die Vier-Elemente-Lehre (Feuer, Wasser, Luft, Erde) des Aristoteles und die Drei-Prinzipien-Lehre (Quecksilber, Schwefel, Salz) des Paracelsus trifft man kombiniert als wichtige "continuum" Lektüre der Naturphänomene bis ins 17. Jahrhundert.
Texte und Experimente aus verschiedenen Epochen.
Raum: 111

Prof. Dr. Christoph Riedweg, Professor für Klassische Philologie (Universität Zürich): Pythagoras von Samos. Zwischen Religion, Wissenschaft und Politik

Wer den Namen des Pythagoras hört, denkt an die Gleichung a2 + b2 = c2. In der antiken Überlieferung rankt sich eine verwirrende Vielzahl von Nachrichten und Konzepte um den "Weisen von Samos", die ganz andere Facetten dieser Persönlichkeit erkennen lassen (Wiedergeburtslehre, Vegetarismus, Sphärenharmonie etc.). Im Vortrag soll versucht werden, unter Zuhilfenahme moderner soziologischer Ansätze den historischen Kern dieser schillernden Persönlichkeit herauszuarbeiten und sie in den Kontext der vorsokratischen Naturphilosophie einzuordnen.
Raum: 121

Präsentation

Prof. Dr. Alfred Stückelberger, emer. Professor für Klassische Philologie (Universität Bern): Empirische Ansätze in der antiken Atomlehre

Bei der antiken Atomlehre handelt es sich nicht um eine am Schreibtisch erfundene Theorie, die ganz zufällig einige Ähnlichkeiten mit modernen Vorstellungen hat. Es sind auch physikalische Beobachtungen miteinbezogen worden wie etwa Effluxionserscheinungen, welche auf das Vorhandensein von unsichtbaren, unveränderlichen Bausteinen der Materie schliessen liessen. Die Beobachtungen sind von Demokrit begonnen, von einigen Ärzten weitergeführt und von Lukrez ausführlich dargestellt worden und liegen auf derselben Ebene wie die Argumente, die nach der Wiederentdeckung der antiken Atomlehre von Daniel Sennert, Joh. Chrysostomus Magnenus, Isaak Newton u.a., unter ausdrücklicher Bezugnahme auf Demokrit und Lukrez, vorgebracht wurden.
Raum: 122

4. Materialien

5. Bilder


Teilnehmer/innen


Eröffnung durch den Präsidenten des SAV, Lucius Hartmann


Referat von Prof. Dr. D. Günther


Workshop von Martin Müller


Referat von Prof. Dr. B. Binggeli


Teilnehmer/innen

Binding Stiftung
Update: 10.9.2016
© webmaster
Update: 10.9.2016 © webmaster