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Schweizerischer Altphilologenverband
Association Suisse des Philologues Classiques
Associazione Svizzera dei Filologi Classici |
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Bulletin 68/2006Inhalt
Lector benevoleIm Herbst 1971 ist die Nummer 1 des Bulletins des Schweizerischen Altphilologenverbandes erschienen. Leider fehlt dieses Heft in meiner Sammlung, ebenso wie die Nummern 2 (Frühling 1972), 4 (Frühling 1973), 11 (Frühling 1977) und 19 (Frühling 1982). Es wäre sehr begrüssenswert, wenn Kolleginnen und Kollegen diese Sammlung vervollständigen könnten, sodass in Zukunft eine lückenlose Dokumentation unseres Bulletins an einem Ort greifbar wäre. Das Bulletin 68 - gleichsam die Jubiläumsnummer zum 35-jährigen Bestehen des Verbandsorgans - macht mit verschiedenen Beiträgen ersichtlich, dass die Alten Sprachen und deren Unterricht voll im Zeitalter des Computers, der Digitalisierung und der Werbung auf moderne Art etabliert sind: Hinweise auf eine Website zu einem eben erschienen Buch zu "Sprache und Allgemeinbildung", zu "altphilo" bei Swisseduc, zur neuen Gestaltung und Erweiterung der Website www.latein.ch und schliesslich das Angebot, neues Informations- und Werbematerial zu beziehen. Der thematische Artikel von Prof. Dr. U. Eigler, Ordinarius für Latein in Zürich, zeugt ebenfalls von einer Neuausrichtung und Ausweitung der Beschäftigung mit den Alten Sprachen, die sich seit einiger Zeit auch in den Gymnasien durchzusetzen beginnt, nämlich das zeitliche und thematischen Ausgreifen der klassischen Philologie über die früheren Grenzen hinaus. Der Artikel verbindet aus Anlass einer Ausstellung, die nächstes Jahr in Trier Konstantin den Grossen zum Inhalt hat, anhand eines Abschnittes aus Augustins Confessiones Geschichte, Philologie, Mönchtum und Theologie in einer Weise, wie sie auch im altsprachlichen Unterricht möglich und mehr und mehr notwendig ist. Unter den Rezensionen nimmt man mit Freude Veröffentlichungen von Vereinsmitgliedern wahr (G. Reggi, Th. Wirth, K. Bartels), zusätzlich auch hier einen Hinweis auf ein Werk der modernen Kommunikationsart (Film zu Herakles) und mehrere Urteile über Veröffentlichungen, die zum Lesen und Verarbeiten anregen können. Wir immer erscheint im Herbstbulletin die Einladung zur Jahresversammlung. Sie findet am 17. November in Neuchâtel statt. Der vorangehende Besuch mit Führung im Laténium, Musée d'archéologie und das anschliessende gemeinsame Nachtessen motivieren hoffentlich eine grosse Zahl von Kolleginnen und Kollegen, den Kontakt mit dem Vorstand und anderen Mitgliedern zu pflegen oder aufzunehmen.
Alois Kurmann
Thematischer ArtikelZwei Aussteiger in Trier: Weltgeschichte am Rande des römischen Reiches?Die Frage klingt paradox, und doch führt sie zu einem typischen Phänomen der Epoche, der wir uns im folgenden Beitrag zuwenden wollen. In der Spätantike büsst Rom seine beherrschende Stellung als Sitz der Kaiser endgültig ein. Neue Zentren bilden sich, von denen einige an der Peripherie des Reiches liegen. Das von Diokletian geschaffene System der tetrarchie verlangt zumindest vier Kaisersitze, die möglichst nahe an den militärischen Brennpunkten liegen. Antiochia, Nicomedien, Trier oder Mailand werden im Zuge dieser Entwicklungen in den Rang von Metropolen erhoben, die in Konkurrenz zum alten ehrwürdigen Zentrum treten.1 Weitere Zentren kommen hinzu, vor allem natürlich Konstantinopel. Trier verdankt seinen Aufstieg zur Metropole insbesondere Konstantin, der seit 306 n.Chr. wie schon sein Vater von dort aus den Kampf gegen die Germanen, aber auch die Konsolidierung Galliens organisiert. Ihm wird denn auch im Jahre 2007 die Ausstellung "Konstantin der Grosse" des Landes Rheinland Pfalz gewidmet werden, die ganz Trier mit seinen einzigartigen antiken Monumenten zum Ausstellungsraum macht und in den Museen der Stadt sensationelle Exponate zu Konstantin versammelt. Die mit Konstantin einsetzende enorme Blütezeit als Metropole an der Mosel dauert noch bis zur Wende vom 4. zum 5. Jh. an. Nach der Dynastie des Konstantin fördern Valentinian I. und seine Nachkommen die Stadt (364-383). In diese Zeit führt uns der hier zu besprechende Text, der von keinem Geringeren stammt als dem Kirchenvater Augustinus. Er handelt von der plötzlichen in Trier getroffenen Entscheidung zweier kaiserlicher Beamter, Hofleben und den Glanz der Welt zu verlassen und ein Eremitenleben vor den Mauern der Stadt zu führen. Dies ereignete sich unter der Herrschaft Kaiser Gratians (375-383), der seine Residenz in der Moselstadt hatte. Der Text soll in einem ersten Abschnitt vorgestellt und kommentiert werden (1). Anschliessend wollen wir ihn schrittweise in einen grösseren Zusammenhang stellen und damit nachvollziehbar machen, in welcher Weise ein Trierer Ereignis reichsweite Bedeutung erhält. So betrachten wir den den Ort des Geschehens (2), dann die Texte im Umfeld (3) und wollen schliesslich ein kurzes Fazit (4) ziehen. Die Überlegungen sind eher allgemeiner und thesenhafter Natur. Eine ausführliche Interpretation muss einer umfangreicheren Studie vorbehalten bleiben. 1Augustinus berichtet im achten Buch seiner 386 n.Chr. verfassten confessiones vom Besuch des Hofbeamten Ponticianus, der ihn in Mailand aufgesucht hatte. Dieser hatte offenbar begeistert von Antonius erzählt, der in der ägyptischen Wüste ein Eremitenleben führte, und von dem sich dort ausbreitenden Wunsch nach einem - auch gemeinsamen - Leben in klösterlicher Abgeschiedenheit.2 Dies beindruckt auch Augustinus, der sich in schweren inneren Kämpfen befindet und kurz vor der Bekehrung zum christlichen Glauben steht. Ponticianus schliesst mit dem Bericht einer Berufung, deren unmittelbarer Zeuge er kürzlich - wohl 382/83 - in Trier geworden war (conf. 8, 15). Er schlägt damit den Bogen von Ägypten in den lateinischen Westen, aus der Ferne zu einer dem Augustinus (und seinen Lesern) weit näher liegenden Metropole, eben nach Trier. Ponticianus schildert selbst den Schauplatz:
Die beiden Beamten haben bei den Eremiten, zu denen sie während des Spaziergangs kamen, in vermutlich ohnehin bereits sehr empfänglicher psychischer Verfassung ein Bekehrungserlebnis. Dies wird ausgelöst durch die Lektüre der wohl in der Übersetzung des Euagrius vorliegenden Vita Antonii. Diese war ursprünglich auf Griechisch von Athanasius verfasst worden und hatte sich in der lateinischen Version schnell im Westen verbreitet. Augustinus teilt nicht mit, welche genaue Passage die Leser derart beeindruckte, dass sie dem weltlichen Leben spontan entsagten. Offenbar bedurfte sie nicht der Erwähnung, und wir dürfen mit einiger Wahrscheinlichkeit vermuten, dass es der Bericht von der Berufung des Antonius selbst war. Als dieser nämlich zwischen 18 und 20 Jahre alt war, begab er sich in die Kirche - ebenfalls in sehr empfänglicher Stimmung, da er an die Apostel dachte, die doch alles zurückgelassen hatten und Christus nachgefolgt waren (Vita Antonii 2, 2). Da ereignete sich Folgendes (2, 3): Contigit invenire eum lectionem evangelicam in qua audivit Dominum dicentem ad divitem: "Si vis perfectus esse, vade, vende omnia tua et da pauperibus, et veni, sequere me, et habebis tesaurum in caelis <Mt. 19, 21>. Antonius versteht dies als direkte Anrede Christi, gibt sein bisheriges Leben auf und zieht sich als Eremit in die Wüste zurück. Wahrscheinlich hatten die Beamten in Trier diese Passage gelesen und verspürten denselben Appell, noch durch das Beispiel des Antonius verstärkt. Wie in Ägypten vollzieht sich also auch in Trier durch Lektüre eine Berufung, die zum Aussteigen der beiden Beamten führt. Wie Antonius verlassen sie die durch klare Herrschafts- und Machtstrukturen geprägte Welt. Diese ist repräsentiert durch die Stadt. Durch ihre Mauern ist die soziale Stellung der Hofbeamten definiert. Verlassen sie diesen schützenden, aber auch einengenden Bannkreis, schwindet die Sicherheit von Stellung und Überzeugung. Extra muros wird die Befreiung von weltlichen Zwängen möglich und zudem durch das Beispiel Christi und seiner Nachfolger legitimiert. Die zurückkehrenden Begleiter, ja später auch die verlassenen Verlobten der ausgestiegenen Beamten müssen den Sinneswandel als moralisch gerechtfertigt anerkennen. Der Kaiser und seine Herrschaft treten zurück zugunsten des schon auf der Erde möglich gewordenen Reiches Gottes, der Palast (palatium) in der Stadt wird gegen die Hütte (casa) vor den Mauern eingetauscht. 2Vor dem Hintergrund dieses Antagonismus' palatium - casa erhält Trier als Ort des Geschehens eine zusätzliche Bedeutung. Die Mauern der Stadt umschliessen die Pracht einer irdischen Metropole, die das palatium, die Residenz des Kaisers und seines Hofes, beherbergt. An diesen Ort gelangen nicht nur zahlreiche Menschen und Nachrichten, dorthin dringen auch die im Römischen Reich allgegenwärtigen Gedanken christlicher Askese. Derartige Tendenzen erhalten durch die konkrete Handlung individuelle Form. Der Ort Trier verleiht dem Geschehen besondere Bedeutung und Nachdrücklichkeit. Das Allgemeine wird hier zum Besonderen, zum Exempel. Augustinus übermittelt die Begebenheit in seinen confessiones, weil es nicht irgendein Ort ist, an dem sich die Bekehrungen vollzogen. Vielmehr macht die Tatsache, dass Trier eine Kaiserstadt ist, die Begebenheit zu einem Ereignis besonderer Strahlkraft. Man kennt Trier auch jenseits der Alpen. Schliesslich handelt es sich um einen vielbesuchten Ort.3 Dorthin wandte man sich bei Anliegen an den Kaiser. An seinem Regierungssitz konnte man damit rechnen, bei einem grossen und sozial bedeutsamen Publikum Gehör zu finden. Die vielfältigsten Einflüsse kamen hier zusammen. Schon Athanasius, der von Konstantin 336/337 von Alexandria nach Trier verbannt worden war, dürfte in dieser Zeit östliches christliches Gedankengut nach Trier vermittelt haben. Martin von Tours besuchte auf seinen Reisen durch Gallien regelmässig Trier, predigte christliche simplicitas und übte dort grössten Einfluss aus. Ambrosius, der spätere Mailänder Bischof und Mentor des Augustinus war in Trier geboren worden. Auch Hieronymus und sein Freund Bonosus hielten sich wohl zwischen 367 und 374 in Trier auf. Der Wunsch, eine Karriere in der Verwaltung zu beginnen, hat sie wohl dorthin geführt; dort waren sie wie auch später die Gefährten des Ponticianus mit christlich-asketischem Gedankengut in Berührung gekommen, was zu einem radikalen Wandel des Lebensentwurfs führte. Trier war der ideale Ort zur Inzenierung einer Umkehr, das wusste und nutzte auch Augustinus, gerade an dieser besonderen Stelle der confessiones. Die Moselstadt besass ein fast Rom vergleichbares Image.4 Die dort residierenden Kaiser hatten sich um die prachtvolle Ausgestaltung der Stadt bemüht, ja Rom als Vorbild für ihr Bauprogramm gesehen. So finden sich im sogenannten Chronographen von 354, einem in Rom entstandenen Kalenderwerk, Roma und Treveris als ganzseitige Personifikationen. Trier steht mit Rom auf einer Ebene:5 Freilich zeigt sich auch Triers exponierte Lage als Frontstadt darin, dass die Treveris einen besiegten Germanen am Schopfe packt.
Doch residierte in Trier nicht nur der Kaiser. Die Stadt wurde in der Spätantike zum Sitz der verschiedensten Behörden. Zunächst war sie Zentrum der civitas Treverorum, wurde andererseits im Zuge der diokletianischen Verwaltungsreform zur Metropole der Provinz Belgica prima, die das Moselland mit dem heutigen Lothringen verband. Als Sitz der zivilen Prätorianerpräfektur Gallien war sie in der Folgezeit das Zentrum eines Verwaltungsbereichs, der die Diözesen Britanniae, Galliae (Nordfrankreich), Viennensis (Südfrankreich), Hispaniae und schliesslich auch Mauretaniae im heutigen Marokko umfasste.6 Als Ort, an dem Kaiser residierten und sich zudem verschiedene Reichsbeamte zusammenfanden, genoss Trier zu Recht grössten Ruhm. 3Zum Kontext der Berufungsgeschichte gehört nicht nur die besondere Bedeutung Triers, sondern auch ein Ensemble von Texten, das Augustinus ganz selbstverständlich in der Erzählung vom Bericht des Ponticianus mit den Trierer Ereignissen in Beziehung setzt und diese damit wertet, ja in besonderer Weise inszeniert. So muss man die Berufungen zum Eremitenleben in Trier in engem Zusammenhang mit Augustinus' eigener radikaler Zuwendung zum christlichen Glauben sehen, von der er kurz darauf (conf. 8, 19) erzählt. Wie auch in der Trierer Berufungsszene spielt bei der endgültigen Bekehrung des Augustinus zum Christentum ein Buch - in diesem Falle die Bibel bzw. ein Brief des Apostels Paulus - die entscheidende Rolle. Auch die Grundstruktur des Vorgangs ist ähnlich. Zunächst befindet sich Augustinus, wie die kaiserlichen Beamten in Trier, in Gesellschaft, sucht dann aber im Garten des Mailänder Hauses die Einsamkeit, greift schliesslich aufgefordert durch den berühmten Singsang nach der Bibel, schlägt sie an einer scheinbar beliebigen Stelle auf und wird durch die ebenfalls wieder in einer besonderen psychischen Situation gelesenen Worte plötzlich veranlasst, sich grundsätzlich umzubesinnen und sich dem christlichen Glauben zuzuwenden:
Es ist die Lektüre der heiligen Schrift, die die plötzliche Umkehr veranlasst. Wie bei Antonius oder bei den kaiserlichen Beamten genügt ein Satz. Zusätzlich wirkt bei Augustinus und den ehemaligen Gefährten des Ponticianus in Trier das Exemplum des Antonius. Immer ist die Vermittlung durch die Heilige Schrift vonnöten. Bei dem Urbild der Berufung, wie es die Bibel bietet, war dies nicht so. Hier trat Jesus persönlich auf und berief selbst seine Jünger, wie die Berufung des Petrus (Mt. 3, 18-20), die hier als Beispiel wiedergegeben sei: Ambulans autem iuxta mare Galilaeae vidit duos fratres: Simonem, qui vocatur Petrus, et Andream fratrem eius mittentes retia in mare; erant enim piscatores. Et ait illis: "Venite post me et faciam vos fieri piscatores hominum!" At illi continuo relictis retibus secuti sunt eum. 4Augustinus hat die Beamten von Trier selbst zu Exempla gemacht. Die Position in den confessiones zeigt, dass Augustinus sich die beiden bereits zum Vorbild nimmt. Zu gross ist die Nähe der Erzählung zum Bericht von seiner eigenen Bekehrung - freilich zum christlichen Glauben und nicht zum grundsätzlichen Verlassen der Welt. Die Trierer Berufungen wurden von Augustinus in ein Geflecht von Textbezügen eingeordnet, das jene zu einer Wiederholung allgemeiner Muster macht, ihnen damit Glaubwürdigkeit und Autorität verleiht. Schliesslich ist es die Bibel, auf die diese Texte stets bezogen sind. Wir sehen auch, dass es sich um Texte hoher Dignität handelt, auf deren Niveau auch Augustinus seine confessiones ausrichtet. In dieses System christlicher Literatur findet nun auch Trier als Stadt Eingang. Sie wird in einen an diesem literarischen Zusammenhang orientierten Text implementiert. Er bestätigt nun auch textuell die reale Bedeutung der Stadt. Trier, die Stadt in der Provinz, erhält höchstes Prestige im ganzen - zumindest lateinischsprachigen - Reich.
Ulrich Eigler
Literatur: Stadtplan von Trier in römischer Zeit (Anlage zu Augustinus: Conf. VIII 15)Für den Text vor allem wichtig: das in die Stadtbefestigung integrierte Amphitheater (3) und die, wie es heisst, an die Stadtmauern angrenzenden Gärten, zu suchen vermut lich am rechten Rand der Karte.
1 Zum System der Tetrarchie s. Brandt, 2001, 10-19. (> Text) 2 S. dazu die vorzügliche Einführung von Brown, 1995, 106-125. (> Text) 3 Heinen, 1997, 339-341. (> Text) 4 Einzelheiten zur Bautätigkeit und Aufwertung Triers nach dem Vorbild Roms s. Eigler, 2007. (> Text) 6 Zu den Problemen einer genauen Grenzziehung vgl. Barnes, 1982, 123-139. Eine Karte findet sich z.B. in Brandt, 2001, 35. (> Text) Anzeigen und MitteilungenJahresversammlung des Schweizerischen Altphilologenverbandes
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| 15.45 | Laténium, Musée d'archéologie, espace Paul, 2068 Hauterive Visita guidata dell'esposizione temporanea "Trésors des steppes - Archéologie russe du Musée de l'Ermitage, Saint-Pétersbourg" |
| 17.15 | Assemblea generale (Restaurant Le Silex, Port d'Hauterive) Ordine del giorno
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Aperitivo e cena sociale nello stesso luogo.
Pour le repas, prière de s'annoncer jusqu'au 10 novembre à l'une des adresses suivantes:
e-mail: a_jahn@bluewin.ch / Tel. 091 966 45 57 / Fax 091 966 59 55
En espérant que l'Assemblée à Neuchâtel sera une occasion de rencontres et d'échanges pour un bon nombre de collègues de toute la Suisse, je vous adresse mes meilleures salutations.
Informations utiles
Le Laténium, Musée d'archéologie de Neuchâtel (www.latenium.ch) se trouve au bord du lac, à l'entrée d'Hauterive (3 km depuis le centre de Neuchâtel). Pour s'y rendre :
En voiture : depuis Neuchâtel, prendre la direction Marin-Bienne par la route du bord du lac, stationnement sur le parking du Port d'Hauterive.
Depuis Berne ou Bienne, prendre la direction de Neuchâtel, quitter l'autoroute à Saint-Blaise et suivre la signalisation "Laténium".
En train : depuis la Gare de Neuchâtel, prendre le funiculaire (Fun'ambule) ou descendre à pied par la ruelle Vaucher, prendre la ligne 1 du bus devant l'Université, direction Marin. Arrêt "Musée d'archéologie" (compter 20 mn de la Gare au Musée).
Im Schlosstheater Moers im Ruhrgebiet fand am 18. 12. 2003 die Premiere einer "Medea" statt, und wurde dann den ganzen Winter hindurch gespielt. Dazu wurde die Angabe gemacht, es sei ein Stück "nach Seneca". Eine Kritikerin schrieb, das Stück sei von Heiner Müller (!) aus Seneca übersetzt. Beide Angaben stimmen nicht. Der gespielte Text war mit nur wenigen Kürzungen Wort für Wort die Übersetzung, die unser Kollege Bruno Häuptli von Senecas Medea gemacht hat. Es war die deutschsprachige Erstaufführung dieses Stückes.
Am 31. Oktober 2005 fand im renommierten Schauspielhaus Bochum unter dem publikumswirksamen Titel: "Ovid, Liebesbriefe: Mein ist dein Herz" die erste Aufführung einiger Heroides-Briefe Ovids statt. Der Übersetzer ist wiederum Bruno Häuptli. Ausgewählt wurden Medea, Paris, Oenone, Ariadne, Phaedra, Helena. Die Aufführung kam dank der Dramaturgin Franziska Kötz unter der Regie von Lisa Nieleböck zustande. Besonders gelungen war die Anwesenheit aller sechs Personen auf der "Bühne", in diesem Fall des Theaterrestaurants, in dem sich die sechs Personen trafen und jeweils in Kontakt miteinander traten. Die Reaktion der Schauspielerinnen auf Häuptlis Versübersetzung (auch hier wurden integrale Texte mit nur wenigen Kürzungen gespielt) war äusserst positiv, und sie spielten diese Texte mit Begeisterung. Eine eigentliche Überraschung war, dass Ovids narrative Texte sich auch als Dramolette eignen. Wegen des grossen Erfolges (viel junges Publikum war anwesend!) wird die Produktion im Winter 2006/7 nochmals aufgenommen.
Die ausgedehnte Übersetzertätigkeit Bruno Häuptlis wirkt so wie die von Kurt Steinmann (cf. Bulletin Nr. 67, p. 21) weit über das Lesepublikum hinaus. Sollte das grosse Interesse an der Antike, das sich in Rom- und Griechenlandreisen, in Museen und auf dem Theater äussert, nicht endlich den Verantwortlichen der Universitäten und Gymnasien bewusst machen, dass sie sich viel mehr engagieren müssten, damit auch in Zukunft kompetente Fachleute solche Öffentlichkeitsarbeit leisten können?
Das im letzten Bulletin angekündigte Buch "Sprache und Allgemeinbildung. Neue und alte Wege für den alt- und modernsprachlichen Unterricht" (Lehrmittelverlag des Kantons Zürich) ist erschienen. Zu diesem Buch ist eine Website geschaffen worden: http://www.swisseduc.ch/sprache
Hier werden Ihnen vielfältige Zusatzmaterialien angeboten, z.B.:
Damit sei zugleich gesagt: Diese Website ist eine Plattform, auf der wir sehr gerne auch Ihre Beiträge publizieren; wir bitten um Ihre Mitarbeit.
Über http://www.swisseduc.ch erreichen Sie "SwissEduc", einen der meistbenutzten deutschsprachigen Bildungsserver. Auf diesem sind seit über neun Jahren auch die alten Sprachen vertreten: http://www.swisseduc.ch/altphilo.
Der Bereich "altphilo" ist in den letzten Wochen vollständig überprüft und aktualisiert worden. Ausserdem wurden zahlreichen neue Unterrichtsmaterialien und Links aufgeschaltet.
Im Unterschied zum bisherigen Verfahren, wonach die einzelnen neuen Dokumente mit "NEW" bezeichnet wurden und deshalb weit verstreut waren, können Sie nun alle Neuerungen auf einen Blick feststellen: Sie klicken auf der Hauptseite "altphilo", links in der Übersichtstabelle, auf "News" und finden alle Neuigkeiten in Form von Kurztexten aufgelistet, mit Links zu den betreffenden Dokumenten. Die Abteilung "News" umfasst auch Meldungen von allgemeinem Interesse, also solche, die nicht auf Dokumente von "altphilo" bezogen sind.
Falls Sie über einen RSS-Reader verfügen (in den Browsern der neusten Generation vorhanden), können Sie "News" auch in dieser Form abrufen: http://www.swisseduc.ch/altphilo/news/RSS.php. Damit steht Ihnen ein Instrument zur Verfügung, das die "Verwaltung" der News erlaubt, z.B. die Beschränkung der News-Liste auf die letzten sieben Tage o.ä.
Mehrere Zeitungen brachten letzten Sommer den Bericht über den sensationellen Fund eines "antiken Computers". Da der Artikel für unser Bulletin zu lang ist, soll wenigstens hier darauf hingewiesen werden. Der Artikel ist unter http://www.philologia.ch/Schule/ so zu finden, wie er in der Süddeutschen Zeitung vom 22.6.2006 abgedruckt war.
Unter der Leitung der PR-Kommission des SAV (Alois Kurmann, Lucius Hartmann, Philipp Xandry, Hans-Ueli Gubser, Eugen Krieger, Silvia Meyer-Battaglia, Rolf Surbeck) wird in Zusammenarbeit mit einer Graphikerin die Website www.latein.ch, die sich hauptsächlich an zukünftige Schüler/innen und deren Eltern wendet, neu gestaltet und um inhaltliche Elemente erweitert. Geplant sind u.a. Rubriken "Wieso Latein lernen?" mit Schülerstatements; "Latein live" mit Werbesprüchen oder Produktenamen, Sprichwörtern, Zaubersprüchen aus Harry Potter, Bildern von Exkursionen; "Die Sprache Latein" mit Etymologien, Fortleben des Lateins in den modernen Sprachen, einfachen Sätzen; "Leben der Römer" mit Informationen zu den Römern in der Schweiz, zu grossen Römern (Kaiser usw.), zur Architektur, Kleidung, Geschichte, zum Essen, römischen Alltag; und "Götter und Helden" mit (reich bebilderten) mythologischen Themen.
Wir sind sicher, dass viele Lehrkräfte zu einzelnen von diesen Themen bereits eigene Unterlagen besitzen. Da die PR-Kommission diese Materialien nicht alle selbst erstellen kann, sind wir auf Ihre Mithilfe, liebe Kolleginnen und Kollegen, angewiesen. Vielleicht haben Sie selbst ja eine Sammlung römischer Rezepte, Bildmaterial zu römischen Aquädukten oder ein paar Kurzporträts von römischen Kaisern. Wir würden uns auf jeden Fall sehr freuen, wenn wir von Ihnen werbewirksame Materialien (elektronisch oder in Kopien) zu den oben erwähnten Themen und darüber hinaus bekommen. Schicken Sie diese einfach an webmaster@latein.ch oder an L. Hartmann, Glärnischstrasse 3, 8340 Hinwil.

Die Broschüre "Acht Antworten auf eine wichtige Frage" hat seit 1999 bis jetzt viele Veranstaltungen zur Information über die Wahl von Latein und Griechisch begleitet.
Nun ist dieses Hilfsmittel ausgegangen, und der Altphilologenverband hat seine PR-Kommission beauftragt, etwas Neues zu schaffen. Das Resultat liegt nun in Form eines Flyers "Latein: Zukunft braucht Herkunft" vor.
Bei der Realisierung haben wir an möglichst viele potentielle "Kunden" gedacht, die es für die Wahl von Latein zu gewinnen gilt: Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I, der Bezirks- und Orientierungsschulen und der Untergymnasien.
Der Flyer ist geeignet, um an Informationsveranstaltungen die Argumente für die Wahl von Latein zu unterstützen, illustrieren und veranschaulichen. Er kann jungen Menschen (oder ihren Eltern) abgegeben werden, damit sie motiviert werden, auf der Website des Verbandes (www.latein.ch) weitere Informationen zu suchen.
In den vergangenen Wochen haben wir an je eine Person aller uns bekannten Schulen in der deutschsprachigen Schweiz, an denen Latein angeboten wird, Flyer verschickt, um diese bekannt zu machen.
Ab sofort können diese Flyer von allen Interessenten gegen einen kleinen Betrag bezogen werden.
Bestelladresse: Dr. Eugen Krieger, Gymnasium am Münsterplatz, St. Albanring 197, 4052 Basel, ekrieger@tiscalinet.ch
La meilleure des copies suisses remises au jury grec du concours a valu à son auteur, un élève du Lycée-Collège de l'Abbaye de St-Maurice, de figurer au cinquième rang du palmarès général et de gagner une semaine en Grèce en compagnie des autres lauréats. Deux autres concurrents, une élève de Neuchâtel et un gymnasien zurichois ont reçu quant à eux un diplôme attestant de leur bon résultat.
Une semaine en Grèce
Partir en Grèce pendant une semaine et visiter les lieux les plus célèbres de l'Antiquité en compagnie d'autres étudiants venant de plusieurs pays européens, tel est certainement le souhait de tout helléniste.
Pour moi, ce n'était qu'un rêve lointain durant mes premières années de collège. Même lorsque cette année mon professeur de grec, Madame Sandrine Bueche, m'a proposé de participer à un concours de grec ancien abordant le thème de l'éducation et dont le premier prix était un voyage, offert par le ministère grec de la culture, je me suis dit qu'il ne fallait pas me bercer d'illusions. Mais finalement, avec du travail, de l'inspiration et un peu de chance le jour J, l'impensable s'est réalisé.
À la mi-juillet 2006, je suis donc parti pour une semaine en Grèce. Mon arrivée à Athènes fut plutôt chaotique : quand on ne maîtrise pas la langue d'un pays, on se sent rapidement perdu. Heureusement, le transfert de l'aéroport jusqu'à l'hôtel était organisé de façon remarquable et, avant même d'avoir réalisé ce qui m'arrivait, je me suis retrouvé dans ma chambre. Tout le reste du voyage s'est déroulé de la sorte, sans le moindre accroc. Les Grecs, dont l'hospitalité est renommée depuis l'Antiquité, ont fait de leur mieux pour que le logement comme les repas ou le déroulement des visites soient irréprochables tout au long de notre semaine.
La réception officielle des lauréats, organisée pour la remise des prix, fut elle aussi parfaite. Les principales personnalités politiques, notamment la ministre de la culture, et les ambassadeurs des pays participant au concours étaient présents. La presse et même la télévision avaient également fait le déplacement. Cette cérémonie m'a beaucoup impressionné. Elle m'a révélé à quel point la Grèce accorde de l'importance à son passé et à sa langue. Il est rare de voir autant de personnalités réunies, d'autant plus qu'il ne s'agissait que d'un concours de lycéens. Mais pour les Grecs, une telle compétition montrait que leur langue et leur histoire continuent à intéresser des jeunes étudiants de toute l'Europe.
Une fois cette réception officielle terminée, le reste de la semaine fut consacrée aux visites. Ce fut l'occasion de se rendre sur les lieux les plus importants de l'Antiquité grecque. En pénétrant dans des endroits où s'étaient également trouvées les personnalités de cette époque tels que Pisistrate ou Agamemnon, je n'ai pu m'empêcher de me sentir ému, même si des millions de touristes foulent chaque année les mêmes sites. L'acropole d'Athènes, celle de Mycènes, les sanctuaires d'Olympie, de Delphes et d'Épidaure furent nos principales escales. Le panorama historique fut complété par la citadelle de Nauplie, place forte occupée par les Vénitiens puis les Ottomans.
Cependant, bien que parfaitement organisées, ces visites avaient un point faible. Tous les commentaires étaient en anglais, langue que j'ai abandonnée durant mes études pour pouvoir étudier le grec ancien. Même si la beauté des sites était un commentaire suffisant, il n'était alors pas facile de saisir l'essentiel des explications. Mais avec un peu d'imagination, je suis parvenu à faire revivre de tels lieux, tout au moins dans mon esprit.
Parallèlement à la visite de ces sites antiques, une place assez importante fut laissée à la culture moderne du pays. Si le concert de musique traditionnelle durant lequel le public reprenait en chœur les chants les plus connus était impressionnant, la pièce moderne d'Électre jouée dans le théâtre de Delphes m'a fait plonger définitivement dans un autre monde. Sans avoir compris un seul mot, le texte étant en grec moderne, il m'a semblé qu'elle me parlait plus que toutes les autres pièces auxquelles j'avais assisté auparavant.
Mais s'il est une chose que je retiendrai de ce voyage, c'est avant tout l'ambiance formidable qui régnait entre tous les étudiants. Bien que nous venions d'horizons différents, de la Croatie au Mexique en passant par l'Allemagne, et que nous devions recourir à l'anglais pour communiquer car aucun de nous ne parlait la même langue, nous avons pu tant bien que mal partager nos idées et découvrir de nouvelles cultures. Ces échanges avec des gens qui feront peut-être l'Europe de demain, dans un pays qui a tant influencé l'Europe d'hier et d'aujourd'hui, ont ajouté une dimension de plus à ce séjour. Je n'étais plus parti uniquement à la découverte de la Grèce antique. J'ai aussi découvert de nombreuses autres cultures que la culture grecque avait réunies pour une semaine.
À la fin de ce séjour, je suis rentré de avec des images plein la tête, si bien qu'il m'est encore difficile de réaliser tout ce qui s'est passé. J'ai toutefois l'impression d'avoir appris quelque chose : le grec ancien est peut-être une langue dite morte, mais il a toujours une influence bien vivante sur son pays. Sans lui, la Grèce ne serait pas la même et sa culture, vieille de près de trois milles ans, ne serait pas aussi magique et passionnante. Et c'est certainement cela qu'un séjour d'une semaine avec d'autres étudiants pouvait me faire découvrir de plus important.
In der in Nr. 67, p. 45 des Bulletins vorgestellten Reihe sind zwei neue Bände erschienen. Günter Lachawitz, "Iocus - Iambus - Satura. Heiteres und Hintergründiges in lateinischen Texten. Mit einem Beitrag von Walter Stockert" (ISBN 3-7003-1549-X) bringt Texte aus der römischen Komödie, Catull, Phaedrus, Martial, Sueton, Aulus Gellius, Macrobius und aus Mittelalter und Neuzeit. Werner Müller und Werner Rinner vereinigen in "Europa Latina. Schlüsseltexte zu Europa und Austria latina" (ISBN 3-7003-1552-X) in Teil A Texte zu Austria Latina und Teil B zu Europa, an dessen Ende eine Europa-Hymne steht, die nach der Melodie von Beethovens "Freude, schöner Götterfunken" gesungen werden kann. Beide Bände sind wie die im letzten Bulletin vorgestellten reich illustriert, mit Anmerkungen, Kommentaren, Arbeitshilfen, ergänzenden Texten aus neusprachlichem Gebiet und Hinweisen zu Metrik und stilistischen Figuren versehen. Auch diese Hefte sind wieder eine Fundgrube für verschiedenste Bedürfnisse.
In der Reihe der Platondialoge, die das Patmos-Verlagshaus als einsprachige Ausgaben in der Übersetzung von Rudolf Rufener wiederauflegt, ist nach "Phaidros/Symposion" (2001), "Staat" (2003) und "Apologie/Kriton/Phaidon (2004) nun "Protagoras" herausgekommen. Wie bei den vorangegangenen Bänden stammen die Einführung, Anmerkungen und ein kurzes Literaturverzeichnis von Thomas A. Szlezak, durch seine Habilitation und Lehrtätigkeit an der Universität Zürich in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts auch in der Schweiz kein Unbekannter. Allerdings geht er nur kurz am Schluss der knapp vierzigseitigen Einführung konkret auf den Dialog ein, sondern widmet den Grossteil seiner Ausführungen dem Thema, das als ein eigentlicher Schwerpunkt seiner Forschungstätigkeit an den Lehrstühlen in Würzburg und Tübingen gilt, nämlich - um es versuchsweise kurz zu umreissen - der sogenannten esoterischen Platondeutung im Spannungsfeld zwischen mündlichem Philosophieren und schriftlichem Dialog. Immer wieder hat der Autor in der Diskussion um den "Tübinger" Platon, bzw. "Platons ungeschriebene Lehre" (K. Gaiser) Stellung bezogen. Stellvertretend und gleichsam als Klammer stehen dafür seine Publikationen "Platon und die Schriftlichkeit der Philosophie. Interpretationen zu den frühen und mittleren Dialogen" 1985, und "Das Bild des Dialektikers in Platons späten Dialogen. Platon und die Schriftlichkeit der Philosophie" 2004. In dem hier anzuzeigenden Titel bietet Szlezak nun eine kurze und sehr lesenswerte Darstellung dieser Position. Sie geht aus von Platons Biographie und weist hin auf deren Spuren in seiner politischen Theorie, behandelt des weiteren die Auseinandersetzung um die Schriftkritik Platons sowie ihre Bedeutung für die Annahme einer rein mündlichen Prinzipienlehre und skizziert schliesslich die zentralen Themen in der Philosophie der Dialoge (die griechischen Begriffe sind in lateinischer Umschrift gegeben). Dabei geht es seiner Darstellung nach nicht um eine Abwertung der Dialoge gegenüber der schriftlich nicht festgehaltenen Prinzipientheorie, sondern die Situierung ihrer Bedeutung im Gesamtwerk Platons. Durch die Lektüre des "Protagoras" lässt sich diese Betrachtungsweise somit am konkreten Einzelfall nachvollziehen, wobei man zur paradoxen Erfahrung geführt wird, dass sich Platon in einer bis heute unübertroffenen literarischen Meisterschaft (S. 91) eines Mediums bedient, um gleichzeitig indirekt dessen Grenzen aufzuzeigen und darüber hinaus zu weisen.
Bei der dem Rezensenten vorliegenden DVD handelt es sich um eine Filmproduktion, die als Maturaarbeit zweier Aarauer Gymnasiasten entstanden ist. Der Film zeigt in diversen Kurzszenen die zwölf Taten des Herakles. Als Darsteller sind lediglich die beiden Produzenten selber zu sehen, die auch sonst praktisch alles im Alleingang realisiert haben. Natürlich sprengt schon der Film alleine in seinem Arbeitsaufwand (die Produktion nahm insgesamt rund zwei Jahre in Anspruch) den Rahmen für eine Maturaarbeit bei weitem. Schliesslich mussten die Produzenten sich zunächst überhaupt einmal das nötige filmtechnische Knowhow aneignen, wobei Fabian Wespi 2002 bereits den Filmpreis der Stadt Aarau bekommen hatte, also schon einiges an Vorwissen mitbrachte.
Aber damit nicht genug: die beiden Griechischschüler haben auch noch gleich eine neue Sprache erfunden, die im Film verwendet wird (mit deutschen Untertiteln): Teratisch (nach griech. terata; es sollte ursprünglich die Sprache sein, in der die Ungeheuer der griechischen Sagenwelt miteinander kommuniziert hätten). Diese Idee ist an sich nicht neu; für die "Herr der Ringe"-Trilogie hatte Tolkien ja sogar mehrere fiktive Sprachen kreiert. Jedenfalls haben Fischer und Wespi für ihr Teratisch eine eigene Schrift und eine Grammatik erschaffen, die sogar eigene Kasusbezeichnungen kennt, und nicht zuletzt auch einen Grundstock von 2000 Wörtern. Dazu liessen sie sich von allen wichtigen Sprachfamilien der Erde inspirieren. Wer genau hinhört, kann denn auch ab und zu einige Wortwurzeln ausmachen, die aus der indogermanischen Sprachfamilie vertraut sind. Mir stellt sich die Frage, warum man die Filmdialoge nicht einfach in Griechisch halten wollte, aber der Untertitel der Maturaarbeit heisst schliesslich "Ein kreativer Protest gegen unmittelbare Nützlichkeit", und in dieser Hinsicht hat die Erfindung des Teratischen sicher ihre volle Berechtigung.
Die Filmproduktion als solche ist im Rahmen des Möglichen ganz erstaunlich gut geraten. Wir erwarten hier keine lebensechten Special Effects. Ein originaler Löwenrachen für den Helm des Helden wäre wohl eher schwierig zu beschaffen gewesen; der gebastelte sieht billig aus, aber wer will es den Produzenten verübeln? Die grossen Heldentaten des Herakles erfahren in dieser Inszenierung eine leicht ironische Brechung, gerade auch, wenn man die Bilder im Kontrast zu der teils sehr pompösen, theatralischen Filmmusik ansieht (diese auch noch selber zu produzieren, wäre denn doch des Guten zuviel gewesen; stattdessen hat man sich bei bestehenden Film-Soundtracks bedient, etwa von der "Herr der Ringe"-Trilogie, von "Pirates of the Caribbean", "Troja" oder "Shrek"). Es sind auch einige wahrhaft komische Szenen gelungen - die beste vielleicht, als Herakles mit dem Höllenhund in einem Sack zu Eurystheus zurückkehrt und dieser - wie ja im Mythos erzählt wird - sich in Windeseile in den Tonkrug verkriecht, so dass nur noch sein Kopf herauslugt.
Zusammenfassend ist das enorme Engagement der beiden Maturanden doch sehr lobend zu würdigen. Ich könnte mir gut vorstellen, diese Film-DVD auch im Schulunterricht vorzuführen, wenn der Sagenkomplex um Herakles einmal behandelt wird.
Weder Büchmanns "Geflügelte Worte", die seit 1864 in 42 Auflagen erschienen sind, noch die 4151 Adagia, die Erasmus 1533 herausgegeben hat, haben das literarische Genus der Sprüche geschaffen. Sammlungen von Sprüchen, Zitaten und Merkworten sind wohl so alt wie Literatur überhaupt und sind offenbar heute so beliebt wie eh und je. Dass die Zahl solcher Worte unbeschränkt ist, zeigt nicht nur das Verzeichnis anderer Sammlungen, das Klaus Bartels am Ende seines unterdessen zum Klassiker gewordenen "Veni, vidi, vici" anfügt, sondern dieses Buch selber. Vergleicht man die jetzige 11. Auflage mit dem kleinen Artemis-Bändchen der 60er Jahre, kann man sehen, welche Fülle an neuem Material der Autor in den vergangenen 40 Jahren gefunden, gesammelt, kommentiert und in alphabetische Ordnung gebracht hat. Dabei bleibt er einem Grundsatz Büchmanns treu, der die Herkunft, den genauen Wortlaut und den ursprünglichen Sinn solcher Worte, wenn immer möglich, zu ermitteln suchte, aber auch "anonyme" Worte als solche kennzeichnet. Dabei gibt er oft kurze rezeptionsgeschichtliche Abhandlungen, etwa wenn die Formel "Urbi et orbi" von Cicero über Ovid, Namatian, Sidonius Apollinaris bis auf Orosius nachgezeichnet wird. Bei vielen Einträgen wird der geschichtliche Hintergrund klar und sachdienlich angegeben (z.B. zu "Sint, ut sunt, aut non sint"), für viele Sätze, deren unmittelbare Quelle nicht angegeben werden kann, werden Parallelen aus griechischer und lateinischer Literatur gegeben (z.B. zu "Minima non curat praetor").
Nach den eigentlichen "geflügelten Worten" (im ersten Teil die griechischen, im grösseren zweiten die lateinischen) wird ein Anhang, genannt "Kleingeflügel" mitgegeben, in dem kurze, immer wieder gebrauchte Ausdrücke stehen, von a maiori bis vivat, vivant. Gerade diese kurzen Ausdrücke müssen heutigen jungen Menschen vermittelt werden, da sie in jeder Zeitung gebraucht werden. Ein deutsches Schlagwortregister ist sehr hilfreich, wenn man zu einem Begriff oder einer Idee ein passendes Zitat sucht; so wird man z.B. unter "segeln" auf "Navigare necesse est, (vivere non est necesse)" verwiesen, erfährt dort die ursprüngliche Bedeutung und wird bis ins 20. Jahrhundert geführt, wo der Satz in Deutschland zur Rechtfertigung der Handels- und Rüstungspolitik gebraucht wurde.
Klaus Bartels wird auch in dieser Veröffentlichung seinem Ruf gerecht, eine breite Kenntnis der antiken Geschichte und Literatur in pointierter Form so zu präsentieren, dass durch ein wahres Lesevergnügen Wissen vermittelt wird; nicht aut prodesse aut delectare, sondern delectando prodesse wird hier geleistet! Alle, die sich an der Kleinliteratur der Sprichwörter, Sentenzen und Geflügelten Worte freuen, werden dem Autor für das materialreiche Buch, das praktisch ein neues Werk ist, dankbar sein.
Kaum war das neue fleissigst durchredigierte und selbstverständlich nicht nur einmal, sondern zweimal sorgsamst durchkorrigierte "Veni vidi vici" herausgekommen, da meldet ein Freund den hübschesten Druckfehler, der mir je unter die Augen gekommen ist. Da hat sich tatsächlich, auf Seite 31, ein über beide Ohren verliebtes junges Druckfehlerteufelchen an einem götterväterlichen grossen "I" vergriffen und aus dem feierlich schweren Auftakt "Ab Iove principium" ein übermütiges "Ab love principium" werden lassen. Omnia vincit amor, et nos cedamus amori...
Nach dem 1997 erschienenen "Lexikon antiker Autoren", das 450 Autorenporträts von Homer bis in die Spätantike vereinigte, legt der Herausgeber eine kompaktere Auswahl vor, die sich auf 120 Einträge beschränkt, für interessierte Leser immer noch eine recht hübsche Anzahl. Vorgestellt werden somit neben den bekannten Autoren auch dem Bildungskanon ferner stehende wie Philogelos, Meleagros von Gadara oder die Dichterin Erinna; dazu kommen anonyme Texte wie die Historia Apollonii Regis Tyri, die Historia Augusta, die Carmina Priapea, das Zwölftafelgesetz (aber nicht Justinians Corpus iuris); eher vermissen wird man hingegen Plotin, Ambrosius, Augustinus und Gregor. Dass die Texte samt und sonders dem umfangreicheren Autorenlexikon entnommen sind, erfährt man nur am Rande; dort findet man weiterführende Literaturhinweise, die in der vorliegenden handlichen Ausgabe gestrichen sind, da die Aufarbeitung inzwischen publizierter Fachliteratur zu weit geführt und dem angepeilten weiteren Leserkreis nicht entsprochen hätte. Die ansprechend verfassten Porträts und Kurzessays wirken aber auch nach rund einem Jahrzehnt nicht veraltet.
In bibliophilem Privatdruck von 150 Exemplaren erschien 1913 in London, postum von seinem ein Jahr zuvor verstorbenen Freund John Harrower herausgegeben und von den Freunden finanziert, die Erstausgabe von Shakespeares 154 Sonetten in der lateinischen Fassung, die der an der Aberdeen University lehrende Gräzist Alfred Thomas Barton, verdienstvoller Kommentator von Thukydides und Sophokles, über Jahre in elegischen Distichen (in der vorliegenden Ausgabe typographisch nicht sichtbar) erarbeitet hatte, ein Wunderwerk an nachschöpferischem Spürsinn und technischer Beherrschung der strengen Regeln des antiken Versmasses. Der Nachdruck von 1923 erlebte eine Auflage von 525 Exemplaren - was für eine lateinbegeisterte Zeit! Die Herausgeber der Neuedition haben sich bereits um Shakespeares Sonette verdient gemacht (Ludwig Bernays, Sonette von Shakespeare, Übersetzung mit Anmerkungen, Dozwil 2002; William Shakespeare, Sonette, engl. Originaltext mit dt. Übersetzung [in gereimten Blankversen!] von Markus Marti: http://pages.unibas.ch/shine/sonetteMM.htm). Der lateinische Text ist auch auf der Latin Teaching Materials Site der Saint Louis University zu finden (http://www.slu.edu/colleges/AS/languages/classical/latin/tchmat/pedagogy/latinitas/dv/dv.html; "this material is made freely available for non-commercial educational use").
Hier ein besonders schönes Beispiel:
CXXVII (Barton)
Si veteres inter nigri fuit ulla coloris
Gratia, pulchrarum non fuit ille color,
Iam niveae nigrum formae supponitur heres,
Illius infame est vile nothumque decus.
Nunc, ubi naturae sibi ius manus arrogat omnis,
Ac speciem obscaenis allinit arte genis;
Candida nomen habent nullum, nil sedis honestae,
Nec nisi fucatis ullus habetur honos.
Ipsa superciliis oculisque est Cynthia nigris,
Vtraque sed luctum significare reor;
Luget eas, nulla naturae dote venustas,
Quae genuina audent assimulare dolo.
Isque decet sic luctus eam, fateamur ut omnes
Virginea in specie pulchrius esse nihil.
CXXVII (Shakespeare)
In the old age black was not counted fair,
Or if it were, it bore not beauty's name;
But now is black beauty's successive heir,
And beauty slandered with a bastard shame:
For since each hand hath put on Nature's power,
Fairing the foul with Art's false borrowed face,
Sweet beauty hath no name, no holy bower,
But is profaned, if not lives in disgrace.
Therefore my mistress' eyes are raven black,
Her eyes so suited, and they mourners seem
At such who, not born fair, no beauty lack,
Sland'ring creation with a false esteem:
Yet so they mourn becoming of their woe,
That every tongue says beauty should look so.
127 (Marti)
Schwarz galt noch nicht als schön in alter Zeit;
und wenn es schön war, nannte man's nicht so.
doch jetzt hat Schwarz gesiegt im Erbschaftsstreit,
und altes Schön ist nicht mehr comme il faut.
Was einst Natur tat, jede Hand bringt's her,
macht Wüstes künstlich schön durch Überschminken,
die Schönheit selbst hat keinen Tempel mehr,
sie lebt profan und wird in Schand versinken.
Der Meistrin Augen sind so schwarz wie Raben,
sie tun, als würden sie in Trauer sein,
weil Hässliche sich schon als schön ausgaben,
die Schöpfung höhnend durch den falschen Schein.
Ihr Trauern wirkt zu ihrem Leid so fein,
dass jeder sagt, so sollte Schönheit sein.
Die Herausgeber haben in diesem Band Aufsätze vereint zur Frage: "Wie erforscht man antike Philosophie?" Die Aufsätze (ein Drittel sind Wiederabdrucke) stammen von bekannten und einigen jüngeren Interpreten der antiken Philosophie, die sich zu methodischen und hermeneutischen Fragen im Zusammenhang mit ihrer Forschungsarbeit äussern. Entstanden ist so - wie von den Herausgebern beabsichtigt - kein Handbuch, "das die methodischen Regeln in abstrakter Weise entfaltet" (S. 9), sondern eine informative Sammlung von unterschiedlichen, z.T. gegensätzlichen Antworten auf die Frage nach der Weise, wie antike Philosophie zu interpretieren ist. Die Beiträge stammen von A. Graeser (Altes und Neues), M. Frede (The Study of Ancient Philosophy), A. A. Long (Finding Oneself in Greek Philosophy), W. Leidhold (Mythos und Logos), J. Dalfen ("Aller Dinge Mass ist der Mensch..." Was Protagoras gemeint und was Platon daraus gemacht hat), C. Kahn (Did Plato Write Socratic Dialogues?), T. H. Irwin (Anachronism and the Concept of Morality), B. Mojsisch (Reflexionen zur Methodologie bei Platon, Aristoteles und Sextus Empiricus), C. Rapp (Der Erklärungswert von Entwicklungshypothesen. Das Beispiel der Aristoteles-Interpretation), K. Vogt (Plutarch über Zenons Traum. Ist die politische Philosophie der frühen Stoa kosmopolitisch?), M. C. Nussbaum (The Therapy of Desire in Hellenistic Ethics), M. Erler (Interpretatio medicans. Zur epikureischen Rückgewinnung der Literatur im philosophischen Kontext), M. Hossenfelder (Forschungsbericht zum antiken Skeptizismus), B. Inwood (Seneca, der Erfinder des Selbst?), H. G. Zekl (Diogenes Laertios. Statist auf der Bühne grosser Theoreme), H. Niehues-Pröbsting (Antike Philosophie im Medium der Anekdote), M. Perkams (Das Prinzip der Harmonisierung verschiedener Traditionen in den neuplatonischen Kommentaren zu Platon und Aristoteles).
Exemplarisch möchte ich auf den Beitrag von D. Frede (Platons Essentialismus - Ein hoffnungsloser Fall von Anachronismus?) hinweisen. Ganz wider den historistischen und postmodernen Zeitgeist, doch mit gewichtigen Argumenten, verteidigt sie Platons scheinbar unzeitgemässe Überzeugung, dass es absolut richtige moralische Standards gibt.
Der Band ist ausgestattet mit einer Einleitung (S. 7-17), einem Quellen- und Literaturverzeichnis (S. 349-69), einem Verzeichnis der Wiederabdrucke (S. 371) und einer Vorstellung der Autorinnen und Autoren (S. 373-79).
Dem Liebhaber antiker Philosophie sei das Buch sehr empfohlen. Leider ist der Preis recht hoch.
"Es gibt drei Hügel, von denen das Abendland seinen Ausgang genommen hat: Golgatha, die Akropolis in Athen und das Kapitol in Rom." Mit diesem Zitat von Theodor Heuss ist das Gliederungsprinzip des hier besprochenen Sammelbandes von Kai Brodersen umrissen. Beiträge zur griechischen, christlich-jüdischen und römischen Geschichte sollen dem Leser und der Leserin einen Überblick über die Antike geben. Beiträge zu Höhepunkten im wörtlichen Sinn, wie z.B. Delphi, Gordion und Vesuv stehen neben Höhepunkten im metaphorischen Sinn, wie etwa der abschliessende Artikel des Sammelbandes "Höhepunkte der Rechtskultur: Das Corpus iuris civilis". Leider beschränkt sich das Verbindende zwischen den einzelnen Artikeln auf den Titel. Der Herausgeber hat es unterlassen, eine einheitliche Gestaltung der Beiträge zu erwirken. So begnügen sich die meisten Autoren, was die Quellenangaben betrifft, auf wenige, ausgewählte, knappe Angaben der antiken Textstellen, einige verzichten ganz darauf. Das ist umso bedauerlicher, als das Literaturverzeichnis ebenfalls äusserst dürftig ist, hier fehlen ausserdem die antiken Autoren ganz. Zudem gibt es einige ermüdende Überschneidungen (z.B. zwischen den Beiträgen "Vom Areopag zur Agora" und "Akropolis und Akademie").
Ein weiterer Aspekt, der die Lektüre beschwerlich macht, ist der Umstand, dass sich die Verfasser und Verfasserinnen der einzelnen Artikel an ein völlig unterschiedliches Zielpublikum wenden. Man kriegt den Verdacht nicht los, dass hier unter einem zugkräftigen Titel relativ wahllos Artikel gesammelt wurden, die für irgendeinen Anlass geschrieben wurden. Insofern wird dieser Sammelband dem Anspruch des Verlags, "Wissensvermittlung auf hohem Niveau in einer ansprechenden und hochwertigen Aufmachung zu bieten" kaum gerecht, zumal auch auf Kartenmaterialien und eine chronologische Übersicht, die der Orientierung dienen könnte, verzichtet wurde.
In der Reihe "Sapiens. Attualità e studi" ist dies bereits der fünfte Band (nach den Bänden über Cicero, Geschichtsschreibung in der Kaiserzeit, Poesie und Epik und 'Cultura materiale'), den G. Reggi herausgibt. Diese Bände spiegeln die auf hohem Niveau stehende Weiterbildung unserer Kolleginnen und Kollegen im Kanton Tessin seit 1987. Ein sechster Band, der mit "Attualità della cultura classica nella formazione liceale" (Kurs von 2003) von ganz besonderem Interesse sein wird, ist schon angekündigt.
Wieder vereinigt der Band Resultate wissenschaftlicher Forschung und Beiträge in didaktischer Zielrichtung. Der Herausgeber selber zeichnet im Einleitungsartikel einen interessanten und äusserst reich dokumentierten Einblick in den Unterricht in den klassischen Sprachen und in der Philosophie im Tessin vom Collegio S. Antonio (in dem Alessandro Manzoni studiert hatte), das 1852 aufgehoben und durch das Liceo und das Ginnasio cantonale ersetzt wurde. Der reiche Artikel schliesst mit der überzeugenden Feststellung zur aktuellen Situation: "Insomma, un insegnamento moderno, innovativo senza dilettantismi, capace di far fronte a un tempo di crisi quale è il nostro, è possibile" (S. 40). Von diesem "realistischen Optimismus" zeugt auch der andere Artikel des Herausgebers, der in didaktisch ausgerichteter Weise Ciceros Umgang mit den politischen Dialogen Platons aufzeigt; am Ende des Artikels werden 23 Texte angeführt, für die Unterrichtende besonders dankbar sein werden. Ebenfalls didaktisch ausgerichtet ist der Artikel von E. Marinoni (Liceo di Mendrisio) über Senecas "Ad Helviam matrem de consolatione." Von den Forschungsbeiträgen befassen sich zwei Artikel mit Platon (F. Trabattoni, Univ. Mailand, über Dialektik und Überzeugung und D. Lanza, Univ. Pavia, über die Poetik in der Politeia), einer mit Stoa und Literatur (G. Mazzoli, Univ. Pavia), einer mit Dichtung und Wissenschaft bei Vergil (M. Geymonat, Univ. Venedig), und A. Grilli (früher Univ. Mailand) zeigt Aspekte der philosophischen Situation im Hellenismus auf.
Die alle drei Jahre vom Tessiner Erziehungsdepartement veranstalteten Weiterbildungstage für die Lehrpersonen der alten Sprachen engagieren jeweils als Referenten Fachspezialisten aus der Schweiz und Italien und Professoren an kantonalen Gymnasien. Diese Tagungen sind ein Zeugnis für die Hochschätzung der klassischen Kultur in unserem südlichen Kanton, die erschienenen fünf Bände dokumentieren die hohe Qualität dieser Tagungen, und die Tatsache, dass auch im Jahr 2003 wieder eine Tagung stattgefunden hat, lässt hoffen, dass den klassischen Sprachen nicht der Boden entzogen wird und diese weiterhin dazu beitragen, dass in unseren Gymnasien junge Menschern die Notwendigkeit einer "coscienza critica" (S. 40) erkennen und sich dieses kritische Bewusstsein erarbeiten können. Das Engagement des Herausgebers und die sorgfältige Gestaltung dieser Publikation durch den Verlag sind ein Zeichen der Zuversicht.
Soll ein Germanist dieses Buch lesen oder kaufen? Durchaus. Die Lektüre lohnt sich für jeden Sprachlehrer, so dass die Publikation zumindest auf das Büchergestell der gymnasialen Fachschaften Sprache zu stehen kommen sollte. Soviel sei vorausgeschickt.
Nach einleitenden Gedanken über die sprachliche Allgemeinbildung und die Sprachreflexion lassen die Autoren eine Zusammenstellung eher grundlegenden Wissens folgen: Themen der synchronen Sprachbetrachtung sind die Zeichentheorie, die Kommunikationstheorie und die Bildsprache. Relativ viel Gewicht bekommen Erscheinungen der Diachronie. Stichwörter dazu sind etwa Veränderung und Bewahrung, Einflüsse einzelner Sprachen auf andere oder Sprachökonomie. Entscheidend für die Qualität ist die Einbettung dieser Themen. Darum seien einige Zusammenhänge angedeutet. Das Buch ist ein Produkt der Altphilologie, und so ist kein Wunder, dass dem Latein eine grosse Bedeutung für die Sprachreflexion zugewiesen wird. Das könnte einem angesichts der Diskussionen der letzten Jahre antiquiert vorkommen. Auf diesem Hintergrund entscheidend scheint mir nun, dass die Autoren mit einem modernen Sprachverständnis eine Bresche in die Mauer heutigen standardisierten Sprachunterrichts schlagen wollen. Die Autoren betonen den dynamischen Aspekt der Sprache, die Diachronie, die heute zu oft dem Nützlichkeitsdenken weichen müsse. Ständige Veränderung sehen sie als Wesensmerkmal von Sprache an, nicht als Sprachverfall. Sprachökonomie ist ein wichtiger Motor für solche Veränderungen, die sie bereits für das Latein gut dokumentieren, aber auch für das Deutsch und die übrigen modernen Sprachen. Neue Formen der modernen Sprachen oder die Jugendsprachen sind darum selbstverständlicher Unterrichtsgegenstand. So ist denn auch nicht verwunderlich, dass die Publikation als Plädoyer für Fächer übergreifenden Unterricht ankommt. Die Sprachlehrer sollten zusammenarbeiten und Synergieeffekte nutzen. Dutzende von Beispielen und Unterrichtsblättern helfen dem Ungeübten auf die Spur. Dieses Unterrichtsmaterial für den konkreten Schulalltag ist übrigens auch vom Netz abrufbar unter www.swisseduc.ch/sprache. Schliesslich sei auf die Bildsprache hingewiesen. Sie wird bekanntlich oft im Rahmen der Rhetorik oder Poetik abgehandelt und hinterlässt leicht den Eindruck von Schmuck oder gar Luxus in sprachlichen Ausnahmesituationen. Unsere Autoren aber zählen Metonymie und Metapher zu den grundlegende Denkformen im menschlichen Alltag.
Selbstverständlich kann das Buch nicht seriöses Vorwissen ersetzen. Wer sich noch kaum mit Fragen der Diachronie oder der Bildhaftigkeit der Sprachen auseinandergesetzt hat, wird mit der Lektüre den Durchblick nicht bekommen. Wer nicht ein gewisses Flair für das ständige Arbeiten mit dem Kluge oder ähnlichen Wörterbüchern mitbringt, wird es nicht durch die Lektüre geschenkt bekommen. Vielleicht würde die Faszination etwas leichter auf den Leser überspringen, wenn das Buch stilistisch zugänglicher geschrieben wäre. Ich bin beispielsweise kein Freund der Unsitte - oder sollte man besser Mode sagen - Zusätze häufig und möglichst syntaxfremd - ist doch reizvoll, nicht - in den bestehenden Satz einzubauen. Man mag darüber hinwegsehen, geht es doch darum, dass Lehrpersonen befähigt werden, den sprachlichen Blick zu weiten und das verstehende Lernen zu fördern.
Das unterhaltsam geschriebene Buch befaßt sich mit der unglaublichen Menge an Fremd- und Lehnwörtern lateinischen Ursprungs im Deutschen und will damit den Gewinn verdeutlichen, den die Beschäftigung mit den Alten Sprachen mit sich bringt. Der Autor untersucht u.a. das erstaunlich vielseitige Weiterleben einzelner Verben (z.B. agere, facere, ponere; Kap. 3), listet in eigenen Kapiteln die Verwendung lateinischer Präpositionen oder Suffixe auf (Kap. 4 und 5), befaßt sich mit Redewendungen, die im Deutschen ihre Fortsetzung gefunden haben (Kap. 6), mit einzelnen faszinierenden Wortgeschichten (Kap. 8) und mit teils amüsanten Fehlern, die manchen Zeitgenossen in ihrer deutschen Muttersprache aufgrund fehlender Lateinkenntnisse unterlaufen (Kap. 13). Zur Sprache kommen ferner der Kulturwortschatz, die Wissenschafts-, Rechts- und Wirtschaftssprache (Kap. 7, 9, 10 und 11).
Stets ist das lateinische Wort, das dem bzw. den entsprechenden deutschen zugrunde liegt, rot gedruckt, was die unglaubliche Menge des verarbeiteten Wortmaterials besonders deutlich macht. Diese führt allerdings auch dazu, daß kaum eine tiefgründige Einsicht in einzelne Etymologien möglich ist, wie der Autor einräumt. Auch strittige Fragen bleiben ausgeklammert, da philologische Kontroversen nicht das Thema sein sollen. Gerne hätte man etwa mehr Hinweise auf griechische Ursprünge oder weitergehende Erklärungen zu einzelnen Wörtern in den Texten, die oft auffällig rasch von Wort zu Wort springen.
Obwohl der in Etymologien und Wortkunde erfahrene Philologe viel Bekanntes vorfindet und bei tiefgründigen Fragen auf die einschlägigen Nachschlagewerke zurückgreifen wird, kann Weebers Buch angesichts seiner Materialfülle durchaus ein nützliches Unterrichtsmittel zur Ergänzung der Wortbildungslehre sein; sowohl der lateinische Wortindex als auch das Register der deutschen Wörter mit lateinischen Wurzeln umfassen jeweils beinahe 15 Seiten mit drei Spalten.
Was übrigens noch auffällt: Das erst in diesem Jahr herausgegebene Buch ist noch nach der alten Orthographie verfaßt.
Die inhaltliche Vielfalt der antiken Elegie, die trotz der unterschiedlichen Themen immer Aktualität und Bezug zu ihrer Entstehungszeit besaß, fasziniert trotz fehlender Musikbegleitung auch den heutigen Leser; thematische Einseitigkeit, die man gelegentlich mit Autorennamen verbindet, sind auf die problematische Überlieferung zurückzuführen. So schrieb auch Mimnermos aus Smyrna (7. Jh. v.Chr.), von dem nur 14 Fragmente vorliegen, nicht nur seine bekannten Klagen über das Alter, sondern auch Mythologisches und Historisches über Smyrnas Kampf gegen Gyges, von dem aber praktisch nichts erhalten ist.
Auch von Phokylides, der ein Vorläufer des Theognis war, ist nur wenig überliefert, namentlich eher banale Lebensregeln in 17 Fragmenten. Breiteren Raum nehmen hingegen etwa 230 Verse ein, die ein jüdisch-hellenistischer Autor um die Zeitenwende unter dem Namen "Gnomen des Phokylides" verfaßte, um eine größere Autorität für seine biblische Moral zu erlangen.
Den weitaus größten Teil seiner zweisprachigen Ausgabe widmet Hansen jedoch Theognis aus Megara - nur er erscheint im Buchtitel -, unter dessen Namen knapp 700 elegische Distichen vorliegen. Der Inhalt der Dichtung besteht hauptsächlich in der Verteidigung der Aristokratie gegen das erstarkende Bürgertum in Form einer Unterweisung eines (möglicherweise fiktiven) adligen Freundes namens Kyrnos.
Vieldiskutiert wurde die Frage, was in der geschlossenen Sammlung ("Theognidea"), die schon in archaischer Zeit entstand, Theognis selbst zuzuschreiben sei. Hansen wendet sich gegen Wests Standpunkt, der mittels Analyse die einzelnen Teile den jeweiligen Verfassern zuordnen wollte; vielmehr gehe dadurch der Charakter der uns vorliegenden Sammlung verloren, da deren einzelnen Autoren durchaus auch wertvoller literarischer Gestaltungswille zuzugestehen sei.
Auf 18 Seiten werden die Gedichte kommentiert, wobei natürlich die Theognidea den größten Raum einnehmen; es folgt die Auflistung von Abweichungen gegenüber früheren Textausgaben und die Bibliographie mit Ausgaben, Kommentaren und Einzeluntersuchungen.